Das Oktoberfest

Heute möchte ich Euch aus aktuellem Anlass etwas über das Oktoberfest erzählen. Denn das beginnt morgen hier in München. Ihr kennt es sicher alle, denn das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt. Jedes Jahr besuchen rund sechs Millionen Menschen das Oktoberfest!
  • aus Anlass: (on occasion)
    • der Anlass, Anlässe: (occasion, reason)
  • das Volksfest, -e: (funfair)
Alles begann im Jahr 1810. Kronprinz Ludwig heiratete Prinzessin Therese damals im Oktober. Auf einer Wiese außerhalb der Stadt veranstalteten sie zur Feier des Tages ein Pferderennen. Seitdem heißt die Wiese Theresienwiese. Mittlerweile ist die Stadt so sehr gewachsen, dass die Wiese nicht mehr am Rand der Stadt liegt, sondern mittendrin. Mittlerweile haben wir hier auch so etwas ähnliches wie die Freiheitsstatue in New York: Die Bavaria wacht mit einem Löwen an ihrer Seite über die Wiese. Man kann in ihren Kopf klettern und hat von dort einen wunderbaren Ausblick über die Stadt.
  • der Kronprinz, -en: (crown prince)
  • heiraten, heiratete, geheiratet: (to marry)
  • die Wiese, -n: meadow
  • das Pferderennen, -: horse race
  • wachsen (wächst, wächst), wuchs, gewachsen: (to grow)
  • mittendrin: (just in the middle)
  • die Freiheitsstatue: (statue of liberty)
  • klettern, kletterte, geklettert: steigen, klimmen
  • der Ausblick, -e: view
Jedes Jahr findet das Oktoberfest statt, es sei denn es herrschte Krieg oder die Stadt wurde von einer Cholera-Epidemie befallen. Weil es in München aber im Oktober manchmal schon sehr kalt ist, beschloss man, das Fest vorzuverlegen. Jetzt findet es im September statt – nur das letzte Wochenende ist im Oktober. Das Oktoberfest dauert immer drei Wochenenden, manchmal wird es etwas verlängert. Es dauert also immer 16 bis 18 Tage lang.
  • es findet statt: (it takes place)
  • befallen (befällst, befällt), befiel, befallen: (to affect)
  • vorverlegen, vorverlegte, vorverlegt: (to anticipate, to prepone)
  • verlängern, verlängerte, verlängert: (to extend)
Die Gäste sind international. Die Münchner selbst gehen oft mit ihren Firmenkollegen auf das Oktoberfest, es kommen aber auch viele Australier und Japaner zum Feiern und Trinken hierher. Typisch ist, dass schon einige Wochen vor dem Beginn des Oktoberfests Italiener mit ihren Wohnwagen hier auftauchen. Sie parken die Wohnwagen am Rand der Theresienwiese und haben so ein perfektes Quartier – auch betrunken können sie so noch in ihr Bett wanken. Während des Wochenendes, an dem die meisten Italiener in München sind, werden übrigens im Radio auch die Verkehrsdurchsagen auf italienisch gemacht.
  • der Firmenkollege, -n: (coworker)
  • der Wohnwagen, -: der Caravan
  • auftauchen, auftauchte, aufgetaucht: (to appear)
  • wanken, wankte, gewankt: (to falter, to roll)
  • die Verkehrsdurchsage, -n: (traffic information)
Eröffnet wird das Oktoberfest immer am Samstagmittag vom Oberbürgermeister. Das ist in München derzeit Christian Ude. Er steht dann vor einem riesigen Fass Bier und muss es anzapfen. Also das erste Bier ausschenken. Er ruft dann "Ozapft is", und die Wies’n ist eröffnet.
  • der Oberbürgermeister, -: (mayor)
  • derzeit: (currently)
  • das Fass, Fässer: (barrel)
  • anzapfen, anzapfte, angezapft: (to tap)
  • ausschenken, ausschenkte, ausgeschenkt: (to pour)
Ich fahre am liebsten mit dem Riesenrad. Es wurde 1880 zum ersten Mal aufgestellt und war damals zwölf Meter hoch. Heute ist es 48 Meter hoch und man hat einen wunderbaren Blick auf die Stadt.
  • das Riesenrad, Riesenräder: (Ferris wheel)
Neben die Geisterbahnen, Autoscootern, Achterbahnen und ähnlichen Vergnügungsständen gibt es natürlich vor allem viele riesige Bierzelte auf der Wies’n. Man wird hier aber kein Heineken- oder Guiness-Zelt finden – auf dem Oktoberfest dürfen nur Münchner Traditionsbrauereien ihr Bier verkaufen. Das sind beispielsweise Löwenbräu, Paulaner, Augustiner oder Hacker-Pschorr. Das Hofbräu-Festzelt ist das größte und fasst 10.000 Besucher. Wenn eines der 14 großen Zelte voll ist, werden die Türen geschlossen. Erst wenn wieder einige Besucher gegangen sind, werden sie wieder geöffnet. Manchmal schließen die Zelte schon gegen elf Uhr vormittags ihre Türen, so viele Besucher sind hier.
  • die Geisterbahn, -en: (ghost train)
  • der Autoscooter, -: (bumper car)
  • die Achterbahn, -en: (roller coaster)
  • die Vergnügung, -en: (amusement)
  • das Bierzelt, -e: (beer tents)
  • fassen, fasste, gefasst: (to hold)
Im Zelt trinkt man Bier in Literkrügen, den so genannten Maßkrügen. Dazu isst man Riesenbrezen mit Käse, Rettich (der in Bayern Radi heißt), gebratene Hähnchen oder sogar Ochsen. Ganze Ochsen drehen sich in einem Zelt um einen riesigen Grillspieß.
  • der Krug, Krüge: (mug)
  • der Ochs / Ochse, -n: (ox, bullock)
  • der Grillspieß: der Spieß, -e (spit, spear)
Immer mehr Münchner übrigens gehen wieder in traditionellen Trachten auf die Wies’n. Das heißt dass die Frauen ein Dirndl tragen, also ein Kleid mit die Schürze, und die Männer eine Lederhose. Zwei Monate vor dem Oktoberfest eröffnen in München dann plötzlich überall Geschäfte, die diese Trachten verkaufen – danach sind sie wieder verschwunden.
  • die Tracht, -en: ([traditional] costume)
  • die Schürze, -n: (apron)
Das Oktoberfest soll ein traditionelles Volksfest bleiben, das ist den Münchnern sehr wichtig. Es soll nicht nur um Alkoholexzesse gehen, sondern ruhig und familienfreundlich sein. Deswegen dürfen die Blaskapelle in den Zelten seit einiger Zeit nur noch relativ leise spielen, bis 18 Uhr abends müssen sie traditionelle Blasmusik spielen. Erst abends dürfen sie dann Pop und Schlagermusik anstimmen.
  • die Blaskapelle, -n: (brass band)
  • anstimmen, anstimmte, angestimmt: (to intone)
Ich wohne zum Glück nicht in der Nähe des Oktoberfestes. Meistens gehe ich auch nicht hin, es sind mir zu viele Menschen dort, es ist zu laut. Aber ich merke trotzdem, dass gerade Wiesn-Zeit ist: Denn auch hier, wo ich wohne, laufen viele Menschen in Tracht rum und gehen sogar so zur Arbeit.
  • merken, merkte, gemerkt: (to notice)
So, das war mein Thema für heute. Ich werde am Sonntag zum Trachtenumzug gehen – da marschieren viele Gruppen aus ganz Europa in ihren Trachten durch München, mit Pferdekutschen und Musikkapellen.

[Slow German #14]