Touristen treffen Terroristen

  • der Terrorist, –en: jemand, der seine politischen Ziele durch Gewalt erreichen möchte
Wandmalerei in Belfast
  • die Wandmalerei, –en: ein Bild, das jemand auf eine Wand gemalt hat
Überall in der nordirischen Hauptstadt Belfast gibt es Orte, an denen heftige Kämpfe zwischen Katholiken und Protestanten stattgefunden haben. Heute bieten ehemalige Häftlinge beider Seiten besondere Stadtführungen an.
  • überall: everywhere
  • heftig: stark; intensiv
  • ehemalig: früher
  • der Häftling, –e: jemand, der für ein Verbrechen eingesperrt wird
    • einsperren, einsperrte, eingesperrt: to imprison
  • die Stadtführung, -en: guided tour
"Herzlich willkommen in Belfast. Ich bin Pádraic McCotter und ein ehemaliger republikanischer Häftling." Pádraic hat viele Jahre im Gefängnis verbracht. Früher war er Mitglied der Terror-Organisation IRA. Heute führt er Schüler durch die Stadt. Er arbeitet als Stadtführer für "Coiste" – eine Organisation, die ehemaligen Häftlingen eine neue Beschäftigung und ein Einkommen bietet. Und für die Touristen ist es spannend, ein echtes IRA-Mitglied zu treffen.
  • republikanisch: ein Befürworter der Republik; hier: jemand, der zur Republik Irland gehören möchte
  • das Gefängnis, –se: das Gebäude, in dem Häftlinge eingesperrt sind
  • verbringen, verbrachte, verbracht: to spend, to pass
  • die IRA: Abkürzung für "Irish Republican Army", eine katholische Terror-Organisation, die will, dass Nordirland nicht zu Großbritannien sondern zur Republik Irland gehört
  • das Einkommen, –: das Geld, das jemand durch Arbeit verdient
Mit dem Bus fahren die Schüler zu berühmten politischen Wandmalereien und zu einer Grundschule, in deren Wand heute noch Einschusslöcher zu sehen sind. Dann geht es weiter zur Bombay Street, wo 1969 Protestanten katholische Häuser anzündeten. Eine hohe Mauer mit Stacheldraht trennt den katholischen und den protestantischen Teil Belfasts. Die Fahrt endet am "Cupar Way", einem Durchgang in der Mauer. Dieser wird gesperrt, wenn es dunkel wird. Das soll Katholiken und Protestanten auf beiden Seiten vor Übergriffen schützen.
  • heute noch: this very day
  • das Einschussloch, Einschusslöcher: ein Loch, das durch die Munition einer Waffe verursacht wurde - bullet hole
  • es geht irgendwohin – die Fahrt führt zu einem bestimmten Ziel; hier: die Schüler machen sich auf den Weg zu/nach ...
  • anzünden, anzündete, angezündet: to set fire to st
  • der Stacheldraht _: ein Draht mit Haken und Spitzen, an dem man sich verletzen kann - barbed wire
    • der Haken, –: hook
    • die Spitze, -n: barb
  • der Durchgang, Durchgänge: passage
  • sperren, sperrte, gesperrt: zumachen; schließen; verhindern, dass jemand weitergehen oder -fahren kann
  • der Übergriff, –e: der Angriff
An diesem Durchgang bringt Pádraic die Gruppe zu Jake. Früher hätten die beiden sich bekämpft, heute arbeiten sie zusammen. Jake ist Protestant, für seine Zeit als pro-britischer Paramilitär saß er ebenfalls lange Zeit im Gefängnis. "Von mir hört ihr die protestantische Perspektive." Jake beginnt zu erzählen, wie er die Ereignisse rund um die Bombay Street erlebt hat. Eine Schülerin sagt, dass es sich gelohnt hat, beide Seiten kennen zu lernen – und das auch noch durch Personen, die dabei waren. "Man erfährt, was wirklich passiert ist und wie der Konflikt bis heute weitergeht."
  • der Paramilitär, –s: jemand, der wie ein Soldat bewaffnet ist aber nicht zur Armee gehört
  • im Gefängnis sitzen (sitzt, -), saß, gesessen: to be jailed
  • ebenfalls: also
  • die Perspektive, –n: eine persönliche Sicht auf etwas
  • das Ereignis, -se: event
  • rund um: around
  • sich lohnen, lohnte, gelohnt: etwas bringt einen Vorteil
[Deutsche Welle Top-Thema 25-07-2008]