Essen aus der Mülltonne

Nie wieder einkaufen - containern ist angesagt
  • ansagen, ansagte, angesagt: (to introduce)
Sie essen, was andere wegschmeißen. So genannte Containerer durchsuchen Mülltonnen von Supermärkten nach Lebensmitteln – und werden fündig. Meist reicht das Essen für mehrere Wochen.
  • etwas wegschmeißen (schmeißt, schmeißt), wegschmiß, weggeschmissen: etwas in den Müll werfen
  • der Container, -: ein Behälter, der für Abfall oder für den Transport von Dingen verwendet wird
  • fündig werden: auf der Suche nach etwas erfolgreich sein (to be successful)
Falk Beyer leuchtet mit seiner Taschenlampe in eine graue Mülltonne. Es ist kurz nach Mitternacht. Zwischen Müllsäcken und leeren Dosen zieht er eine Tüte mit Mangos heraus. Falk aus Magdeburg ist auf der Suche nach Lebensmitteln, die Supermärkte einfach wegwerfen. Das wird "containern" genannt.
  • mit etwas leuchten, leuchtete, geleuchtet: eine Lampe (auf etwas) halten
  • die Taschenlampe, -n: eine Lampe, die so klein ist, dass man sie in die Tasche stecken kann
  • die Mitternacht _: zwölf Uhr nachts
  • herausziehen, herauszog, herausgezogen: (to pull out)
  • die Mango, -s: eine exotische Frucht
Nachts fährt Falk mit Freunden von Supermarkt zu Supermarkt. Meist schaffen sie es in einer Nacht, Lebensmittel für mehrere Wochen einzusammeln. Falk containert, weil er etwas gegen die Wegwerfmentalität tun will. Vor zwei Jahren begann er damit, sich seine Lebensmittel fast nur aus der Mülltonne zu holen. "Die ersten Male hatte ich ein ungutes Gefühl dabei. Und peinlich war es mir auch", sagt er.
  • die Wegwerfmentalität _: die Einstellung von manchen Menschen, dass auch Dinge, die noch zu gebrauchen sind, weggeschmissen werden können
  • ein ungutes Gefühl haben: sich bei etwas unwohl fühlen
  • peinlich: so, dass man sich schämt; unangenehm
    • schämen, schämte, geschämt: (to be ashamed)
In Magdeburg werden die Mülltonnen noch nicht so oft von Containerern besucht. In anderen Städten wie Berlin machen sich die Containerer mittlerweile gegenseitig Konkurrenz, erzählt Falk. Essen aus dem Müll gehört in manchen Kreisen sogar schon zum guten Ton.
  • die Konkurrenz: eine Situation, in der mehrere Menschen das gleiche Ziel erreichen wollen
  • der Kreis, -e: ein bestimmter Teil der Gesellschaft
  • etwas gehört zum guten Ton: Auf etwas wird Wert gelegt; etwas wird gerne gesehen
Bei den Supermärkten kommt das Containern allerdings nicht immer gut an. Einige Marktleiter drohten sogar mit Gewalt. Auch die Polizei wurde schon ein paar Mal gerufen – allerdings ohne Folgen für Falk und seine Freunde. Denn es ist nach wie vor umstritten, ob das Stehlen von Müll eine Straftat ist.
  • etwas kommt bei jemandem gut an (umgangssprachlich): jemand findet etwas gut
  • der Marktleiter: eine Person, die für den Supermarkt verantwortlich ist
  • jemandem mit etwas drohen: jemandem zeigen, dass man ihn bestrafen wird, wenn er etwas tut
  • umstritten: so, dass viel darüber diskutiert wird
  • der Straftat, -en: eine Tat, die gegen das Gesetz verstößt; eine kriminelle Tat
[Deutsche Welle Top-Thema 22-04-2008]