Der Partykönig von Kiew

Kiew bei Nacht

Seine bizarre Karriere begann vor neun Jahren. Damals machte sich Erik Aigner auf den Weg nach Kiew. Heute hat er es geschafft - er ist der Partykönig von Kiew.
  • bizarr: ungewöhnlich, eigenwillig
  • sich auf den Weg machen: zu einer Reise aufbrechen, hier auch: aufbrechen in eine neue Zukunft
  • etwas schaffen: eine schwierige Aufgabe mit Erfolg meistern
    • meistern, meisterte, gemeistert: to cope
"Kiew war irgendwie die Liebe auf den ersten Blick", sagt Erik Aigner und stützt seinen linken Ellenbogen auf den robusten Holztisch. "Und dann hab' ich 1995 meinen Job geschmissen und hab' mich selbständig gemacht." Bis hier könnte die Geschichte des wuchtigen Deutschen eine halbwegs gewöhnliche sein. Die von einem Aussteiger, der vor der Langeweile in der Heimat ins Ausland flüchtete. Doch Aigner hat sich nicht irgendwo, in irgendeinem Job selbstständig gemacht. Die urgemütliche Kellerkneipe, in der wir sitzen, wo ständig überschäumende Bierkrüge und bayerischer Leberkäse vorbeigetragen werden, gehört ihm. Die Bierstube im Herzen von Kiew war die Basis für seine Erfolgsgeschichte im nächtlichen Zwielicht. Der 40-jährige Erik Aigner gilt heute als die Nummer eins im Nachtleben von Kiew.
  • stützen, stützte, gestützt: to lean
  • der Ellenbogen: elbow
  • seinen Job schmeißen: seine Arbeit aufgeben
    • etwas schmeißen, schmiss, geschmissen: aufhören etwas zu tun, zu dem man keine Lust mehr hat - to break
  • bis hier: up to this point
  • wuchtig: massive
  • halbwegs gewöhnlich: mehr oder weniger normal
    • halbwegs: einigermaßen, mehr oder weniger
  • der Aussteiger, -: dropout
  • die Langeweile _: boredom
  • urgemütlich: besonders behaglich, man fühlt sich sehr wohl
    • behaglich: comfortable
  • überschäumend: foaming
  • etwas gerät ins Zwielicht: etwas wird mit etwas Illegalem in Verbindung gebracht
    • das Zwielicht _: twilight, dusk
"Eigentlich sind wir die einzigen Kneipen in Kiew", erklärt Aigner sein Erfolgsrezept. "Wir haben angefangen, eine Kneipenkultur in Kiew aufzubauen." 1996, als er sein erstes Lokal aufmachte, sei es noch schwierig gewesen, seine Gäste an die Theke zu setzen. Der endlose Holztisch, an dem wildfremde Menschen nebeneinander hocken, war den Ukrainern unbekannt. "Dann haben es die Ausländer vorgemacht, und die Ukrainer haben es nachgemacht." Es hat ihnen anscheinend gefallen. Denn inzwischen komme regelmäßig ein Stammpublikum in die Kneipe. "Vom Geschäftsmann bis zum Studenten trifft sich hier wirklich alles", freut sich Aigner. Seitdem hat sich Aigner ein Kneipen-Imperium aufgebaut.
  • das Erfolgsrezept: eine Art Regel für Bemühungen, die zu einem positiven Ergebnis – zum Erfolg - führen
  • die Kneipekultur: die bisher (in der Ukraine) unbekannte Art und Weise in Kneipen und Bars zu gehen und zusammenzusitzen eingeführt und aufgebaut
    • die Kneipe, -n: ein einfaches Lokal, in dem überwiegend Getränke serviert werden
      • überwiegend: prevalently
    • die Kultur (nur im Singular): Dinge und Werte der menschlichen Gesellschaft
  • die Theke, -n: counter, bar
  • wildfremd: completely strange
  • hocken: sitzen
  • vormachen, vormachte, vorgemacht: to show
  • anscheinend: vermutlich
  • das Stammpublikum: Gäste, die oft in dasselbe Lokal gehen, (auch: Stammgast)
  • Kneipenimperium: viele Lokale (Kneipen, Bars, Restaurant usw.) gehören einem Besitzer oder einer Organisation
Im Schnitt kommen heute mehrere Zehntausend Besucher jeden Monat in Aigners Lokale. Ein Erfolg, der auch der Mafia nicht verborgen blieb.
  • im Schnitt (nur Singular): im Durchschnitt
    • der Durchschnitt: der Mittelwert
[Deutsche Welle Top-Thema 07-05-2004]