Nordic Walking: Wandern mit
Schistöcken
Immer mehr Menschen in Deutschland entdecken das Wandern. Was früher als
spießig galt, ist heute für viele der
ideale Ausgleich zu einem immer anstrengender werdenden Alltag.
- spießig: kleinbürgerlich – conventional
- ideal: am besten; ausgezeichnet
- der Ausgleich, -e: compensation
Wandern im
Zeitalter von Fernreisen, Internet und Globalisierung? Manche finden diese Art der
gemächlichen Fortbewegung spießig, andere wie Rainer Brämer vom Deutschen Wanderinstitut sehen eine
Renaissance des Wanderns. Der Experte
zitiert repräsentative Studien und spricht von rund 40 Millionen Deutschen, die wandern. Etwa 8 Millionen
schnürten mindestens ein Mal im Monat die Wanderschuhe. "Wir beobachten seit Jahren steigende Zahlen. Die meisten Jugendlichen sind
Wandermuffel - im Gegensatz zu den Erwachsenen, hier gibt es ein wachsendes
Bedürfnis und eine neue Lust am Wandern." Brämer, der an der Universität Marburg eine Forschungsgruppe zum Thema Wandern leitet, erklärt dies mit einer "High-Tech-Zivilisation, die uns mehr und mehr
überfordert", und mit "
mentaler Erschöpfung", die viele in der Natur nach
Erholung suchen lasse.
- das Zeitalter, -: age, era
- gemächlich: langsam; ruhig
- die Fortbewegung, -en: movement
- die Renaissance, -n: die Wiedergeburt; das Wiederaufleben
- etwas zitieren, zitierte, zitiert: den genauen Wortlaut von etwas wiedergeben - to cite
- der Wortlaut _: verbal expression
- wiedergeben, wiedergab, wiedergegeben: to repeat
- repräsentativ: stellvertretend für
- schnüren, schnürte, geschnürt: to tie
- der Wandermuffel, -: jemand, der nicht gerne wandert
- das Bedürfnis, -se: etwas, das man braucht oder sich wünscht – need, requirement
- überfordern, überforderte, überfordert: to overcharge
- mental: geistig
- die Erschöpfung, -en: exhaustion
- die Erholung _: rest, recovery
Auch der Deutsche Wanderverband mit etwa 600.000 Mitgliedern in den Vereinen beobachtet
zunehmendes Interesse. "Wandern ist wieder ein Thema, deswegen gibt es auch einen Markt für Bücher zu diesem Thema", sagt Ingo Seifert-Rösing, Verbands
referent für
Öffentlichkeitsarbeit. "Vor 10 bis 15 Jahren galt es noch als
absolut spießig, inzwischen bekennen sich die Leute dazu. Das
Image hat sich gewandelt, Wandern wird heute mit
sanftem Tourismus und mit einem Lebensstil in Verbindung gebracht." Hinter der Wanderlust steckten neben dem Naturerlebnis, der Freude an Bewegung auch das
Streben nach Gesundheit und Interesse an der Heimatregion.
- zunehmend: mehr werdend - increasing
- der Referent, -en: speaker
- die Öffentlichkeitsarbeit _: public relations
- absolut: total; uneingeschränkt
- das Image, –s (Anglizismus): das Ansehen
- sanft: gentle, light, quiet
- das Streben _: der Eifer - striving; ambition
"Viele Strecken sind heute
abwechslungsreicher und spannender als früher. Und gute Wege
wiederum ziehen neue Wanderer an", sagt Brämer. "Wandern ist ein riesiger Markt für
Gastronomie und Hotellerie, Kleidung und Schuhe." In den Vereinen sind nach
Auskunft des Verbands vor allem die über 60-Jährigen
engagiert. Ihnen gehe es um geführte Touren und
Geselligkeit, sie seien häufig und regelmäßig unterwegs. "Viele entdecken das Wandern ab Mitte 40 oder mit Anfang 50 für sich", sagt Seifert-Rösing. Und so ist der Durchschnittwanderer 48 Jahre alt.
- abwechslungsreich: assorted
- wiederum: in turn, again
- die Gastronomie, –n: das Gaststättengewerbe
- die Auskunft, Auskünfte: information
- sich engagieren, engagierte, engagiert: sich beschäftigen
- die Geselligkeit, -en: sociability, friendliness
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Deutsche Welle Top-Thema 06-03-2007]