Die Babyklappe

Ein Ort für ungewollte Babys
  • ungewollt: nicht gewollt
Im Jahr 2000 gab es in Deutschland die erste Babyklappe.
  • die Klappe, –n eine verschließbare Öffnung, durch die man etwas hindurchgeben kann
Dort können Mütter, die in einer Notlage sind, ihre neugeborenen Kinder anonym abgeben.
  • die Notlage, –n: die Situation, in der man Hilfe braucht
  • neugeboren: gerade auf die Welt gekommen – newborn
  • anonym: so, dass der Name von jemandem nicht bekannt ist
  • abgeben, abgab, abgegeben: to give up
Kritiker fordern, dass die Babyklappen abgeschafft werden.
  • etwas abschaffen, abschaffte, abgeschafft: dafür sorgen, dass es etwas nicht mehr gibt
[Foto: So funktioniert die Babyklappe - Drei Schilder, die symbolisieren, wie man ein Baby in die Klappe legt]
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Der Alarm ist leise, doch wenn er ertönt, weiß Eva Winkler-Jansen, dass gerade ein Baby in die Babyklappe gelegt worden ist.
  • leise: light, quiet
  • ertönen, ertönte, ertönt: zu hören sein
Für die Mitarbeiterin vom Sozialdienst katholischer Frauen in Köln ist es jedes Mal ein besonderer Moment.
  • der Mitarbeiter, - /die Mitarbeiterin, –nen: der/die Angestellte
Sie erzählt: "In den ersten Sekunden halten wir das Baby oft nur auf dem Arm, wärmen es und reden ihm gut zu, dass es jetzt bei uns in Sicherheit ist."
  • jemandem gut zureden, zuredete, zugeredet: mit ruhiger Stimme zu jemandem sprechen
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Meist sind die Kinder, die in der Kölner Babyklappe gefunden werden, nur notdürftig versorgt.
  • notdürftig: sehr schlecht
  • jemanden versorgen, versorgte, versorgt: jemandem alles geben, was er zum Leben braucht
An der Nabelschnur erkennt Winkler-Jansen, dass die Mütter ihre Kinder oft eigenständig und nicht in einem Krankenhaus bekommen haben.
  • die Nabelschnur, Nabelschnüre: die Verbindung, durch die das Kind im Körper der Mutter ernährt wird
  • ein Kind bekommen: ein Baby auf die Welt bringen, gebären
  • eigenständig: alleine, selbstständig
Häufig sind diese gerade erst geborenen Babys nur in ein Handtuch oder eine Decke gewickelt.
  • jemanden in etwas wickeln, wickelte, gewickelt: den Körper von jemandem in etwas einhüllen
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Die erste Babyklappe entstand im April 2000 in Hamburg.
  • entstehen, entstand, entstanden: to begin
Inzwischen kann man in Deutschland etwa 80 solcher Klappen finden. Doch von Beginn an gab es auch Kritik: Wenn ein Kind in die Babyklappe gelegt wurde, wird es später kaum die Chance haben, etwas über die eigene Herkunft zu erfahren.
  • die Herkunft, Herkünfte: der Ort, die Familie oder die sozialen Verhältnisse, in denen jemand aufgewachsen ist
Der Deutsche Ethikrat ist der Meinung, dass dieses Wissen niemandem vorenthalten werden darf.
  • der Deutsche Ethikrat: Gruppe von Wissenschaftlern/Wissenschaftlerinnen, die über moralische Fragen der deutschen Gesellschaft diskutieren
  • vorenthalten (vorenthältst, vorenthält), vorenthielt, vorenthalten: jemandem etwas nicht geben
Deswegen ist er gegen die Babyklappen und fordert ihre Schließung.
  • die Schließung, –en: die Abschaffung; das Schließen
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Trotzdem gibt es die Babyklappen noch – und sie werden auch genutzt: In den letzten zehn Jahren wurden 13 Kinder anonym bei der Kölner Babyklappe abgegeben. Das Wissen über die eigene Herkunft kann Winkler-Jansen diesen Kindern nicht zurückgeben. Ihr ist es jedoch wichtig, dass jedes Kind, das in der Kölner Babyklappe gefunden wurde, später gemeinsam mit der Pflegefamilie zurückkehren kann. So können sie sich wenigstens den Ort ansehen, an dem ihre Eltern sie verlassen haben.
  • die Pflegefamilie, –n: die Familie, die Kinder ohne Eltern aufnimmt
  • zurückkehren, zurückkehrte, zurückgekehrt: zurückkommen, wiederkommen
See the original Deutsche Welle 16. April 2010 Top-Thema page for an mp3, a pdf, and more learning material.

Currywurst oder Döner Kebab?

Deutsche lieben Döner

Neben Currywurst und Hamburger greifen viele Deutsche immer wieder gerne zum Döner Kebab.
  • die Currywurst, Currywürste: eine deutsche Wurst mit Ketchup und dem Gewürz Curry
  • zu etwas greifen, griff, gegriffen: etwas essen
Die türkische Spezialität aus Fladenbrot, Fleisch, Gemüse und Soße ist in Deutschland beliebter denn je.
  • die Spezialität, –e: eine Speise, die für etwas (z. B. ein Land) besonders typisch ist
  • das Fladenbrot, –e ein dünnes, helles Brot
  • beliebter denn je: so beliebt wie nie zuvor
[Foto: Eine Hand hält einen Döner - Gesund und schnell gemacht]
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Etwa 65000 Menschen arbeiten in Deutschland an 15000 Dönerbuden und in 200 Produktionsstätten für Dönerfleisch.
  • die Bude, –n: das Kiosk; ein kleines Geschäft
  • die Produktionsstätte, –n: der Ort, an dem etwas hergestellt wird
Das Döner-Geschäft erreicht pro Jahr einen Umsatz von etwa 2,5 Milliarden Euro.
  • der Umsatz, Umsätze: das Geld, das insgesamt eingenommen wird; der finanzielle Gewinn
Tarkan Tasyumruk, Präsident des Vereins Türkischer Dönerhersteller in Europa, weiß, dass Deutschland von diesen 2,5 Milliarden Euro allein eine Milliarde Euro durch den Export von Dönerfleisch in andere EU-Länder verdient.
  • wissen (weißt, weiß), wusste, gewusst: to know
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Entgegen seinem fettigen Ruf ist der Döner im Vergleich zu vielen anderen Fastfood-Snacks sogar gesund.
  • fettig: so, dass etwas viel Fett enthält
  • der Ruf, –e: die Meinung, die die Leute von jemanden/etwas haben
  • im Vergleich zu + Dativ: in comparison with
Gül Scherzo, Mitarbeiterin einer deutschen Krankenkasse, kann das bestätigen.
  • bestätigen, bestätigte, bestätigt: to confirm
Ein Döner aus reinem Kalbfleisch mit Brot, Gemüse und Salat ist, so erklärt sie, eine ausgewogene Ernährung für zwischendurch.
  • ausgewogen: so, dass es von etwas nicht zu viel und nicht zu wenig gibt
  • die Ernährung _: das Essen und Trinken
  • für zwischendurch: für Pausen
Und sie fügt lachend hinzu: "Jedenfalls viel besser als Currywurst mit Pommes!"
  • hinzufügen, hinzufügte, hinzugefügt: to add
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Tarkan Tasyumruk glaubt, dass der Döner in Deutschland sogar mehr von Deutschen gegessen wird als von Türken. "Ich denke, der Döner ist in Deutschland so erfolgreich, weil er schnell geht und trotzdem frisch ist.
  • etwas schnell gehen: etwas schnell fertig sein
Er wird vor den Augen der Kunden zubereitet, und der Kunde kann ihn individuell gestalten – das sind Merkmale, die in Deutschland sehr wichtig sind."
  • etwas zubereiten, zubereitete, zubereitet: ein Essen vorbereiten
  • individuell: persönlich; so, dass etwas zu einer bestimmten Person passt
  • gestalten, gestaltete, gestaltet: entscheiden, wie etwas sein soll
  • das Merkmal, -e: feature
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Man sagt, dass die erste Dönerbude vor 40 Jahren am Berliner Bahnhof Zoo eröffnet wurde. Genau weiß das aber niemand. Im Frühjahr 2010 fand in Berlin sogar die erste Döner-Messe statt, deren Präsident Tasyumruk ist. Stolz erklärt er: "Das Produkt ist zwar in der Türkei geboren, aber es hat sich erst hier zu dem entwickelt, was es heute ist. Der Döner ist deshalb ein absolutes Integrationsprodukt."
  • die Integration, –en: die Bildung einer Gemeinschaft mit Menschen aus verschiedenen Kulturen
Fest steht:
  • feststehen, feststand, feststanden: sicher sein
Nirgends auf der Welt werden heute so viele Döner gegessen wie in Deutschland – nicht einmal in der Türkei.
  • nirgends: an keinem Ort
  • nicht einmal: sogar nicht
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Alemannia als Vorname

Unmögliche und mögliche Vornamen
  • der Vorname, –n: der Name, bei dem man von Eltern und Freunden genannt wird
Vornamen werden immer fantasievoller und internationaler.
  • fantasievoll: so, dass etwas eine neue Idee ist; kreativ
Um Kinder zu schützen, werden neue und ungewöhnliche Namen geprüft.
  • prüfen, prüfte, geprüft: to check
Dafür gibt es an der Universität Leipzig eine spezielle Hotline.
  • die Hotline, –s: eine Telefonnummer, unter der man sich beraten lassen kann
[Foto: Ein Stempel mit der Aufschrift Kevin - es war lange ein beliebter Vorname in Deutschland]
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Darf man sein Kind "Alemannia", "Cayman" oder vielleicht sogar "Whisky" nennen? Gabriele Rodriguez von der Universität Leipzig hilft Eltern weiter. Für 1,86 Euro pro Minute kann man von ihr telefonisch erfahren, welche Vornamen in Deutschland erlaubt sind und welche nicht. Das Telefon klingelt. Die Anruferin fragt, ob sie ihrem Sohn den Namen "Cayman" geben kann. Rodriguez weiß die Antwort: "Kein Problem, er ist in Amerika üblich und so auch hierzulande möglich."
  • üblich: common, usual
  • hierzulande: in diesem Land; das Land, in dem man sich gerade befindet
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Die Chance, seinem Kind heute einen exotischen Namen geben zu können, hat sich deutlich erhöht.
  • exotisch: fremd und ungewöhnlich
Seit einigen Jahren gibt es immer mehr Namen, die noch vor 20 Jahren tabu waren.
  • tabu: auf keinen Fall erlaubt
Durch englischsprachige Serien im deutschen Fernsehen, internationale Prominente wie Anastasia oder Britney Spears und erschwingliche Reisen in ferne Länder haben immer mehr Eltern die Idee, ihrem Kind einen möglichst ungewöhnlichen Namen zu geben.
  • der/die Prominente, -n: eine Person, die sehr bekannt ist (z. B. ein/e Sänger/in oder Schauspieler/in)
  • erschwinglich: so, dass etwas nicht zu teuer ist
  • ungewöhnlich: nicht normal; außerordentlich
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Ob ein Vorname genehmigt wird, entscheidet Rodriguez nach drei einfachen Kriterien:
  • genehmigen, genehmigte, genehmigt: to permit, to approve, to authorize
  • Kriterium, das (Plural: die Kriterien) – ein Merkmal, um etwas zu beurteilen
Erstens muss der Name als Vorname erkennbar sein, zweitens muss man dem Namen ein Geschlecht zuordnen können und schließlich muss der Name zum Wohle des Kindes sein.
  • erkennbar: recognizable
  • das Geschlecht, –er: die Tatsache, ob man ein Mann oder eine Frau ist - gender
  • etwas zuordnen, zuordnete, zugeordnet: etwas erkennen
  • zum Wohle von jemandem – so, dass es jemandem gut geht
"Whisky" wurde zum Beispiel abgelehnt, weil das Kind nicht schon von der Wiege an als Trinker stigmatisiert werden darf.
  • ablehnen, ablehnte, abgelehnt: nicht annehmen; nicht akzeptieren
  • von der Wiege an: schon zum Zeitpunkt der Geburt
    • die Wiege, -n: ein Bett für kleine Kinder
  • der Trinker, - / die Trinkerin, –nen: der Alkoholiker / die Alkoholikerin, -nen
  • jemanden stigmatisieren, stigmatisierte, stigmatisiert: eine Person als etwas darstellen, wodurch sie Nachteile hat
"Schulze" ist nicht erlaubt, weil es ein Nachname ist.
  • der Nachname, –n: der Familienname
"Alemannia", eigentlich der Name eines deutschen Sportvereins, wurde als Vorname genehmigt.
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Neben dem Trend zu englischen Namen entdecken Eltern gerade wieder ihre Liebe zu alten deutschen Vornamen.
  • der Trend, –s die Mode; die Entwicklung hin zu etwas; die Tendenz
Gabriele Rodriguez überrascht das nicht.
  • überraschen, überraschte, überrascht: to surprise
Sie erklärt, dass Namen alle 100 Jahre zurückkommen. Im Moment werden Kinder gern wieder Ida, Karl, Emma, Friedrich oder Frieda genannt. Deswegen ruft natürlich kaum jemand die Hotline an, denn diese Vornamen stehen, so Rodriguez, "allesamt im internationalen Handbuch der Vornamen".
  • allesamt: alle
  • das Handbuch, Handbücher: ein Buch, in dem Informationen zu einem bestimmten Thema zusammengefasst sind
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85 Milliarden Euro-Münzen

Der "Vater" der Euro-Münzen
  • der Vater, Väter: derjenige, der die Idee entwickelt hat; der Designer
    • der Designer, - / die Designerin, -nen (Anglizismus): eine Person, die das Aussehen eines Gegenstandes bestimmt (Verb: designen)
  • der Euro: die Währung der Europäischen Union
    • die Währung, –en: die Geldeinheit, mit der in einem Land bezahlt wird
  • die Münze, –n: runde, harte Geldstücke
Für Luc Luycx war es das Projekt seines Lebens. Der Belgier wurde als Designer der Euro-Münzen bekannt. Heute wird in 16 der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mit der gemeinsamen Währung bezahlt.

[Foto: Das erste Modell der 2-Euro-Münze]
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Luc Luycx hält eine Zwei-Euro-Münze ins Licht. Das kleine Doppel-L ist kaum zu erkennen, aber Luycx wollte es trotzdem auf den Münzen haben. "Wenn ich Münzen designe, setze ich immer irgendwo meine Initialen darauf", erklärt er.
  • die Initiale, –n: der Anfangsbuchstabe
Bis seine Anfangsbuchstaben allerdings auf den Euro-Münzen erschienen, war es ein langer Weg.
  • erscheinen, erschien, erschienen: to be released
1996 gab es eine Ausschreibung für das Design der gemeinsamen Währung.
  • die Ausschreibung, –en: der Wettbewerb
Die Vorderseite der Münzen sollte für alle Länder gleich sein, die Rückseite durfte jedes Land selbst gestalten.
  • die Vorderseite, -n: forefront
  • etwas gestalten, gestaltete, gestaltet: entscheiden, wie etwas aussehen soll
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Luycx, der seit 1991 Münzen entwirft, nahm am Wettbewerb um die Gestaltung der einheitlichen Vorderseite teil.
  • etwas entwerfen (entwirfst, entwirft), entwarf, entworfen: etwas erstellen; etwas designen (Substantiv: der Entwurf)
  • einheitlich: gleich
"Man konnte zwischen verschiedenen Themen wählen", erinnert er sich: "Berühmte europäische Persönlichkeiten, Architektur und Abstraktes."
  • das Abstrakte: etwas, das keine Gegenstände oder Personen darstellt
Er entschied sich für eine Serie, die die europäische Integration darstellte:
  • die Serie, –n: eine Folge von zusammenhängenden Dingen, die alle das gleiche Thema haben
  • die europäische Integration: die Tatsache, dass die europäischen Staaten in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten immer mehr zusammenarbeiten
    • die Angelegenheit, -en: matter
Einige Cent-Stücke zeigen ein noch nicht vereinigtes Europa, aber auf den Ein- und Zwei-Euro-Münzen sieht man die Europäische Union als Einheit.
  • der Cent, –s: die kleinste Einheit des Euro; 100 Cent sind ein Euro
  • vereinigt: zusammengeschlossen
Luycx Design-Idee überzeugte.
  • überzeugen, überzeugte, überzeugt: to convince
1997 erhielt er den Auftrag.
  • erhalten (erhältst, erhält), erhielt, erhalten: to receive
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Bis die Münzen geprägt werden konnten, vergingen aber einige Jahre.
  • prägen, prägte, geprägt: Münzen herstellen
  • vergehen, verging, vergangen: etwas geht vorbei (z.B. Zeit)
Luycx musste viele Kleinigkeiten an seinem Entwurf ändern, denn anfangs waren einige Staaten mit der Darstellung ihrer Grenzen unzufrieden.
  • die Kleinigkeit, -en: trifle
Schließlich wurde der Euro am 1. Januar 2002 in 12 EU-Mitgliedsländern eingeführt und plötzlich war Luycx' Design in allen Händen.
  • einführen, einführte, eingeführt: etwas, das neu ist, zu einem festen Bestandteil machen
Mittlerweile kursieren rund 85 Milliarden Euro-Münzen.
  • etwas kursieren, kursierte, kursiert: im Umlauf sein; durch viele Hände gehen
  • rund: etwa; ungefähr
2007 wurde das Design leicht verändert. Doch auf jeder Münze darf eines natürlich nicht fehlen: das kleine doppelte L am rechten Rand.
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