Dichter ziehen um in Clubs und Kneipen

Es muss nicht immer Goethe sein

Poetry Slams - das sind Dichter-Wettkämpfe, wo jeder, der Lust hat, seine Werke in Kneipen oder Bars vor Publikum präsentieren kann. Die Idee stammt aus den USA, findet aber in Europa immer mehr Anhänger.
  • der Wettkampf, Wettkämpfe: match, contest
  • der Anhänger, –: supporter
Spot auf den Dichter - ansonsten ist es düster und stickig im Hamburger Musikclub "Molotow". 200 Zuhörer sind in die Kellerbar gekommen, um sich Gedichte und Geschichten von jungen Talenten - oder Leuten, die sich dafür halten - anzuhören. "Poetry Slams" - so nennt sich diese hippe Form der klassischen Dichter-Lesung. Sie sind in Berlin, Hamburg und München äußerst populär und finden wöchentlich in Bars, Fabrikhallen und Clubs statt.
  • der Spot, –s: ein helles Licht - spotlight
  • ansonsten: otherwise
  • düster: dunkel
  • stickig: muffig; schlecht gelüftet
  • der Zuhörer, –: listener
  • das Talent, –e: jemand, der eine besondere Begabung auf einem bestimmten Gebiet besitzt
    • besitzen (besitzt, –), besaß, besessen: to own
  • hip: Jugendsprache für modern
  • äußerst: extremely
  • populär: beliebt
  • wöchentlich: jede Woche
Die Bestandteile eines "Slams" - was im Englischen "Wettkampf" bedeutet - sind denkbar einfach: Man nehme einen Nachwuchsdichter, ein bunt gemischtes Publikum, eine Jury, die spontan unter den Zuhörern ausgewählt wird, und die Vorführung kann beginnen.
  • das Bestandteil, -e: ingredient
  • ein bunt gemischtes Publikum: viele verschiedene Menschen
  • die Jury, –s: ein Gremium, das etwas beurteilt
    • das Gremium, Gremien: panel
    • beurteilen, beurteilte, beurteilt: to evaluate
  • spontan: plötzlich; ohne Vorüberlegung oder Planung; einem plötzlichen Entschluss folgend
  • ausgewählt: selected
  • die Vorführung: exhibition
Jeder kann seine Texte zum Besten geben und keine Darbietung gleicht der anderen: Mal ist es ein gereimtes Liebesgedicht, mal eine sarkastische Ode an den Alkohol, mal die Sorgen einer 20-Jährigen über die nahenden Wechseljahre - die Vielfalt macht hier den Unterschied.
  • etwas zum Besten geben: etwas vorführen
  • die Darbietung, –en: die Aufführung; die Vorstellung
  • gleichen, glich, geglichen: to be similar
  • reimen, reimte, gereimt: to rhyme
  • sarkastisch: höhnisch; spottend
  • die Vielfalt _: variety
Der Düsseldorfer Autor Martin, der seit gut acht Jahren auf deutschen Bühnen seine Gedichte liest, betrachtet diese alternativen Lesungen als Kulturgut: "Es kostet nur drei Euro Eintritt und es ist eine Möglichkeit für Leute, die Texte in der Schublade haben, irgendwo damit mal aufzutreten Diese Möglichkeit hast du sonst nicht."
  • die Bühne, -n: stage
  • betrachten, betrachtete, betrachtet: to consider
  • alternativ: andersartig; anders als der Durchschnitt
  • das Kulturgut, Kulturgüter: Teil einer bestimmten Kultur
  • die Schublade, -n: drawer
Wer sich entschließt, seinen Text bei einem nächtlichen Slam zu lesen, sollte neben Schreibtalent außerdem eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mit auf die Bühne nehmen, denn außer Beifall hagelt es nicht selten auch Kritik. Der 35-jährige Martin wurde sogar schon einmal angespuckt, während er seinen Text las: "Es gibt auch immer wieder Zwischenrufe aus dem Publikum. Es findet immer eine Interaktion zwischen Bühne und Publikum statt - und das finde ich eine extrem wichtige Sache. Also es ist keine trockene, langweilige Lesung, sondern es fliegen Funken!"
  • entschließen, entschloss, entschlossen: to decide
  • nächtlich: nachts
  • eine gehörige Portion: sehr viel von etwas
    • gehörig: proper
  • der Beifall _: der Applaus
  • hageln, hagelte, gehagelt: to hail
  • anspucken, anspuckte, angespuckt: to spit at sb.
  • der Zwischenruf, -e: interjection
  • die Interaktion, -en: das Zusammenspiel; aufeinander bezogenes Handeln
  • trocken: leidenschaftslos - unemotional
  • es fliegen Funken: es ist sehr emotionsgeladen
[Deutsche Welle Top-Thema 12-01-2007]