Im Sommer heiraten besonders viele Paare. Deswegen habe ich mir gedacht ich erzähle Euch heute etwas über Hochzeiten in Deutschland. Die beliebtesten Monate sind Mai und Juni, aber auch in den anderen Monaten
finden viele Hochzeiten
statt. Vor der Heirat steht die Verlobung. Sie ist in Deutschland viel weniger wichtig als beispielsweise in den USA. Es gibt weder einen großen
Diamantring, noch eine große Feier.
- stattfinden, stattfand, stattgefunden: to take place
- die Verlobung, -en: engagement
- der Diamant, -en: diamant
Wer in Deutschland heiraten möchte, der muss
in erster Linie eine Menge
Papierkram erledigen. Also Dokumente
vorweisen bei den staatlichen Behörden. Wenn das erledigt ist, kann man
standesamtlich heiraten. Man geht also an einem
vereinbarten Termin zum Standesamt, und dort wird man vom Staat verheiratet. Meist geht das sehr schnell. Der Standesbeamte, der die Zeremonie leitet, spricht aber dennoch einige Worte, um das Paar auf eine gemeinsame Zukunft
einzustimmen.
- in erster Linie: in the first instance
- der Papierkram _: red tape, paperwork
- vorweisen (weist, ~), vorwies, vorweisen: to produce, to show
- standesamtlich heiraten: to have a civil marriage
- das Standesamt, Standesämter: civil register office
- vereinbaren, vereinbarte, vereinbart: to agree
- einstimmen, einstimmte, eingestimmt: to agree
Es gibt verschiedene Standesämter. Manchmal sind das nur relativ offizielle Büroräume, ohne Schmuck. Manchmal sind es aber auch alte Rathaussäle, kleine Schlösser oder man kann auch auf Burgen oder auf Inseln heiraten. Deutsche heiraten aber fast immer in Gebäuden. Hochzeiten
im Freien, wie sie in Amerika üblich sind, gibt es hier kaum. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Wetter einfach zu schlecht ist.
Zur Heirat im Standesamt braucht man nur als Paar
anwesend sein. Früher war es
Pflicht,
Trauzeugen zu haben. Das waren zwei Menschen, die dem Paar nahe standen und die als Zeuge bei der Trauung anwesend waren. Heute ist das gesetzlich nicht mehr
vorgeschrieben. Wer möchte, kann nach der standesamtlichen Trauung auch noch einmal kirchlich heiraten. Wer zum Beispiel katholisch ist, der heiratet dann in einer katholischen Kirche noch einmal. Da die meisten Deutschen aber nicht sehr religiös sind, ist ihnen die kirchliche Trauung eher wichtig, weil es hier um ein feierliches Ritual geht. In der Kirche gibt es
festliche Musik, die
Braut trägt ein schönes weißes Kleid, und alle Freunde und Verwandten können
dabei sein.
- anwesend: present
- die Pflicht, -en: obligation
- der Trauzeuge, -n: best man
- vorgeschrieben: mandatory
- festlich: solemn
- die Braut, Bräute: bride
- dabei sein: to be present
Wie groß eine Hochzeit ist, bleibt dem Brautpaar überlassen. Natürlich gibt es Feiern mit über 100 Gästen, aber viele Paare
ziehen es
vor, in kleinem Kreis zu feiern. Häufig ist es auch so, dass man nur mit wenigen Gästen die eigentliche Hochzeit feiert – und später dann ein großes Fest feiert mit allen anderen Freunden und Verwandten.
- vorziehen, vorzog, vorgezogen: to prefer, to choose
Oft ist es so, dass am Samstag Vormittag im Standesamt geheiratet wird, und danach in der Kirche. Es gibt aber auch viele Paare, die zwischen beiden Trauungen Monate oder sogar Jahre
vergehen lassen. Völlig unüblich ist es, mehrere Trauzeugen zu haben, so wie in den USA. Auch das "Rehearsal Dinner" gibt es nicht.
Stattdessen gibt es einen Polterabend, bei dem man den letzten Single-Abend des Paares feiert. Dabei wird Geschirr
zerbrochen, das das Paar dann zusammenkehren und
aufräumen muss.
Scherben sollen Glück bringen.
- vergehen, verging, vergangen: to pass
- stattdessen: instead
- zerbrechen (zerbrichst, zerbricht), zerbrach, zerbrochen: to break into pieces
- aufräumen, aufräumte, aufgeräumt: to clean up
- die Scherbe, -n: shard, chip
Nach der
Eheschließung im Standesamt oder in der Kirche wird natürlich noch gefeiert. Man isst zusammen, tanzt und freut sich mit dem Brautpaar. Wichtig ist der erste Tanz von Braut und Bräutigam, der erste Walzer, den sie gemeinsam tanzen. Dabei sehen ihnen alle zu, um danach aber mitzutanzen. Ein Brauch ist es auch, gemeinsam die Hochzeitstorte anzuschneiden. Es gibt viele verschiedene Rituale und Bräuche. Manchmal sägen Braut und Bräutigam gemeinsam einen Baumstumpf ab – Teamwork sozusagen. Viele Feiern gehen bis weit nach Mitternacht, und wenn das Brautpaar nicht gleich in die
Flitterwochen fährt, feiern sie bis zum Ende mit.
- die Eheschließung, -en: die Hochzeit, die Trauung
- die Flitterwochen _: honeymoon
Die Deutschen heiraten sehr spät. 2004 war ein deutscher Mann statistisch gesehen im Durchschnitt 36 Jahre alt bei der Heirat. Die Frau war 33 Jahre alt. Übrigens
scheitert in Deutschland ungefähr jede dritte Ehe. Das heißt, dass von drei Ehepaaren
sich eines
scheiden lässt.
- scheitern, scheiterte, gescheitert: keinen Erfolg haben
- sich scheiden lassen: to get a divorce
Passend dazu habe ich Euch heute Musik mitgebracht, und zwar "Die große Liebe ist vorbei" von Marc Loehrwald, gefunden im Podsafe Music Network.
[
Slow German #30]