Kunst und Kommerz auf der Insel des Glücks

Eine Computeranimation der Insel des Glücks

Bis 2018 soll sie eine Mischung aus Berliner Museumsinsel und Las Vegas werden: die künstliche Insel Saadijat - zu Deutsch Insel des Glücks - vor der Küste der blühenden Wüstenstadt Abu Dhabi.
  • die Mischung, -en: die Mixtur
  • künstlich: nachgebildet - artificial
  • blühend: blossoming
  • die Wüste, -n: desert
Das 21 Milliarden Euro teure Eiland soll sich über eine Fläche von 27 Quadratkilometer erstrecken und Annehmlichkeiten wie drei Yachthäfen, Golfplätze und ein Sieben-Sterne-Hotel bieten. Doch wenn die zahlungskräftigen Bewohner des Golfens müde sind und der Segeltörn am Wochenende zur lästigen Pflichtveranstaltung wird, muss für niveauvolle Unterhaltung gesorgt werden.
  • das Eiland, -e: die Insel
  • die Annehmlichkeit, -en: etwas, das Vorteile bringt; der Luxus, der Komfort
  • bieten, bot, geboten: to feature
  • zahlungskräftig: financially strong
  • etwas (Genitiv) müde sein: von etwas genug haben – to be tired (of st.)
  • der Segeltörn, -s: sailing trip
  • lästig: nervig; mühselig - annoying
  • niveauvoll: anspruchsvoll - classy
Mit der leichten Muse will man sich aber auf der Insel der Glücks nicht zufrieden geben. Klotzen statt kleckern lautet die Devise: Museen, Kunstgalerien und eine Konzerthalle sind in Planung, um den Inselbewohnern den nötigen kulturellen Schliff zu geben.
  • die Muse, -n: der kulturelle Anspruch; aber auch: eine Gestalt aus der griechischen Mythologie; die inspirierende Freundin eines Künstlers
  • klotzen statt kleckern (Redewendung): etwas ganz groß aufziehen; sich nicht mit etwas Kleinerem oder Schlechterem zufrieden geben
  • die Devise, -n: das Motto; der Leitsatz
  • nötig: necessary
  • der Schliff, -e: cut
Der französische Schriftsteller Jules Vernes hätte seine Freude an dem gigantischen Projekt. Er selbst beschrieb bereits 1895 in seinem Roman "Die Propellerinsel" das Leben schwerreicher Insulaner in der künstlich angelegten "Milliard-City". Doch was Vernes vor mehr als 100 Jahren zum Träumen verleitete, ist vielen seiner Landsleute heutzutage ein Graus. Der Grund ist eine geplante Dependance des weltberühmten Pariser Kunstmuseums "Louvre" auf Saadijat.
  • seine Freude an etwas haben: to rejoice in st.
  • gigantisch: sehr groß
  • schwerreich: mit sehr viel Geld
  • der Insulaner, -: jemand, der eine Insel bewohnt
  • anlegen, anlegte, angelegt: to design
  • die Landsleute von jemandem: Menschen, die im selben Land wohnen; hier: die Franzosen
  • der Graus _: das Grauen - horror
  • die Dependance, -n die Unterabteilung, die Filiale, das Nebengebäude
Frankreich sicherte Abu Dhabi bei dem Projekt technische Unterstützung zu und kündigte an, Leihgaben von Kunstwerken bereitzustellen. Außerdem darf die Museumsfiliale den prestigeträchtigen Namen "Louvre" im Namen führen. Kritiker bezeichnen das Projekt deshalb spöttisch als "Louvre im Sand" und initiierten eine Petition gegen das Vorhaben. Die französische Kunstszene macht aus ihrer Ablehnung keinen Hehl. Vom "Verkauf der Seele" ist die Rede. Das Abu-Dhabi-Projekt sei ein "diplomatisches Geschenk" an den ölreichen Staat.
  • zusichern, zusicherte, zugesichert: to ensure
  • ankündigen, ankündigte, angekündigt: to announce
  • die Leihgaben, -n: loan collection
  • bereitstellen, bereitstellte, bereitgestellt: to provide
  • prestigeträchtig: prestigious
  • initiieren, initiierte, initiiert: beginnen
  • die Petition, -en: die Bittschrift
  • vorhaben, vorhatte, vorgehabt: to plan
  • keinen Hehl aus etwas machen: Emotionen und Gedanken deutlich zum Ausdruck bringen
  • die Seele verkaufen: etwas sehr wertvolles abgeben um etwas anderes zu erlagen; negative Bedeutung
[Deutsche Welle Top-Thema 26-01-2007]