Ausgebrannt am Telefon

Wenn die Arbeit krank macht

5.700 Callcenter gibt es in Deutschland.
  • das Callcenter, –: ein Arbeitsplatz, an dem Kunden telefonisch betreut werden
    • betreuen, betreute, betreut: sich um jemanden kümmern
Sie beschäftigen rund 440.000 Menschen.
  • beschäftigen, beschäftigte, beschäftigt: to occupy
Die Mitarbeiter bekommen nur einen niedrigen Lohn und arbeiten unter schlechten Bedingungen.
  • der Mitarbeiter, - / Mitarbeiterin, –nen: der/die Angestellte
Viele werden krank und müssen aufhören.
  • aufhören, aufhörte, aufgehört: enden
[Foto: Callcenter-Mitarbeiter mit Headsets am Computer - Schlechte Arbeitsbedingungen im Callcenter]
***
Seit einem Jahr arbeitet der 23-jährige Thomas Seidel in einem Callcenter. Er nimmt Anrufe von Kunden entgegen, die ein Problem mit der gelieferten Ware haben.
  • einen Anruf entgegennehmen: ans Telefon gehen
    • entgegen nehmen (nimmst, nimmt), nahm, genommen (auch: entgegennehmen): to accept
  • liefern, lieferte, geliefert: to deliver
In 10 bis 20 Prozent der Fälle sind die Kunden sehr unfreundlich. Manchmal schreien sie ihn sogar an.
  • jemanden anschreien, anschrie, angeschrieen/angeschrien: sehr laut und unfreundlich mit jemandem reden
Er muss trotzdem freundlich darauf reagieren. Nicht alle Mitarbeiter können mit solchen Situationen umgehen, sagt Thomas Seidel:
  • mit etwas umgehen können: wissen, wie man sich bei etwas verhalten muss
"Viele lassen sich krankschreiben, weil sie es nicht hinkriegen", erklärt er.
  • sich krankschreiben lassen: vom Arzt eine Bestätigung bekommen, dass man nicht zur Arbeit gehen kann
    • krankschreiben, krankschrieb, krankgeschrieben: to write a sick note
  • etwas hinkriegen, hinkriegte, hingekriegt (umgangssprachlich): etwas schaffen
***
Doch dann verlieren sie schnell ihren Job. Denn Rechte haben sie kaum. Die Arbeitsbedingungen sind in vielen deutschen Callcentern sehr schlecht. Acht Stunden und mehr müssen die Agenten, wie die Mitarbeiter genannt werden, fast ohne Pause telefonieren. Sie werden von ihrem Teamleiter kontrolliert, der immer wieder Gespräche mithört.
  • jemanden kontrollieren, kontrollierte, kontrolliert: prüfen, was jemand macht
  • mithören, mithörte, mitgehört: to listen in
***
In Deutschland bekommen Callcenter-Mitarbeiter durchschnittlich 5,40 Euro brutto die Stunde.
  • brutto: bevor Steuern und Sozialversicherung abgezogen werden
Thomas Seidel verdient im Monat 840 bis 912 Euro netto.
  • netto: nachdem die Steuer bezahlt wurde
Einen Wochenendzuschlag gibt es nicht.
  • der Wochenendzuschlag, Wochenendzuschläge: ein höherer Lohn für Arbeit am Samstag oder Sonntag
Für den Lebensunterhalt ist das nicht ausreichend.
  • der Lebensunterhalt _: das Geld, das man zum Leben braucht
  • ausreichend: enough
Deutsche Gewerkschaften fordern nun 9,50 Euro Mindestlohn für Callcenter-Mitarbeiter.
  • die Gewerkschaft, –en: eine Organisation, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzt
  • der Mindestlohn, Mindestlöhne: niedrigster Lohn, den das Gesetz erlaubt
Doch manche Firmen ziehen dann lieber in Billiglohnländer wie Thailand, Indien oder auch in ein osteuropäisches Land.
  • das Billiglohnland, Billiglohnländer: ein Land, in dem die Löhne sehr niedrig sind
***
Eineinhalb Jahre bleiben Agenten durchschnittlich in Callcentern. Danach sind sie meist entweder krank oder bekommen psychische Probleme:
  • psychisch: etwas, das die Seele betrifft
Sie sind ausgebrannt.
  • ausgebrannt: krank durch zu viel Stress
    • ausbrennen, ausbrannte, ausgebrannt: to burn out
Ihnen wird gekündigt oder sie kündigen selbst.
  • kündigen, kündigte, gekündigt: to resign, to quit
Thomas Seidel wünscht sich, "dass die Agenten als Menschen behandelt werden."
***
See the original Deutsche Welle 22-09-2009 Top-Thema page for an mp3, a pdf, and more learning material.