Betriebsratsverseucht

Das Unwort des Jahres 2009
  • das Unwort, Unworte/Unwörter: ein Wort, das eine Sache falsch darstellt oder Personengruppen beleidigt
    • beleidigen, beleidigte, beleidigt: to insult
Einmal im Jahr blickt Deutschland zurück auf das, was das Land bewegt hat – und wie es in die Sprache aufgenommen wurde.
  • zurückblicken, zurückblickte, zurückgeblickt auf: to look back on sth.
  • bewegen, bewegte, bewegt: erreichen, schaffen, verändern
  • aufnehmen (aufnimmst, aufnimmt), aufnahm, aufgenommen: hereinlassen
Jedes Wort, das besonders negativ aufgefallen ist, kann zum "Unwort des Jahres" werden.
  • auffallen (fällst, fällt), auffiel, aufgefallen: bemerkt werden
[Foto: Arbeitnehmer, die protestieren - Sind Mitarbeiter, die unbequem sind, "betriebsratsverseucht"]
  • unbequem: uncomfortably
  • verseucht: vergiftet (Substantiv: die Seuche)
    • die Seuche, –n: die Epidemie; eine sehr schlimme Krankheit
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Das Unwort des Jahres 2009 lautet: "betriebsratsverseucht". In einer Fernsehsendung hatte der Angestellte eines Unternehmens erklärt, dass Abteilungsleiter dieses Wort für Arbeitnehmer verwenden, die sich im Betriebsrat für ihre Interessen einsetzen.
  • der/die Angestellte, -n: employee
  • die Abteilung, -en: department
  • verwenden, verwandte/verwendete, verwandt/verwendet: nutzen
  • der Betriebsrat, Betriebsräte: die Institution, die in einer Firma die Interessen der Arbeitnehmer vertritt
  • sich für etwas einsetzen (setzt, –), einsetze, eingesetzt: sehr viel tun, damit ein bestimmtes Ziel erreicht wird
Die Jury, die das "Unwort des Jahres" bestimmt, begründet ihre Wahl mit den Worten: "Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen stört zwar viele Unternehmen, sie als 'Seuche' zu bezeichnen, ist indes ein (...) sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen."
  • die Wahrnehmung von Interessen: das Nutzen der eigenen Rechte
    • die Wahrnehmung, -en: die Einschätzung
  • etwas als etwas bezeichnen, bezeichnete, bezeichnet: etwas einen Namen geben
  • indes: jedoch
  • der Tiefpunkt, –e: ein sehr schlechter Moment
  • der Umgang mit jemandem: die Art, wie man jemanden behandelt
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Die Wahl des Wortes "betriebsratsverseucht" ist ein Zeichen für die wachsenden Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Angestellte, die im Betriebsrat sind, werden von Arbeitgebern nicht gerne gesehen.
  • etwas nicht gerne sehen: etwas nicht gut finden
Wenn diese Angestellten sich später um eine neue Stelle bewerben, haben sie oft geringere Chancen als andere.
  • gering: klein
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Als "Unwort des Jahres" können Worte oder Begriffe gewählt werden, die unangemessen sind oder sogar die Menschenwürde verletzen.
  • unangemessen: so, dass etwas nicht sachlich ist und nicht zu den Umständen passt
    • sachlich: impartial, factual
  • die Menschenwürde _: das Recht, menschlich behandelt zu werden
Der frühere Bundespräsident Johannes Rau sagte im Mai 2000: "Wer sich über die Untaten aus Fremdenfeindlichkeit empört, der darf die Unworte nicht überhören oder gar selber gebrauchen, die viel zu häufig die Runde machen. Unworte bereiten Untaten den Boden."
  • die Untat, –en: die schlechte Tat
  • die Fremdenfeindlichkeit _: die Ablehnung von Menschen aus dem Ausland
    • Ablehnung, -en: hostility
  • sich über etwas empören, empörte, empört: wütend über etwas sein
  • etwas überhören, überhörte, überhört: etwas nicht beachten
  • die Runde machen: von allen weitergegeben werden (hier: verwendet werden)
  • einer Sache den Boden bereiten, bereitete, bereitet: etwas unterstützen
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Das "Unwort des Jahres" wurde 1991 zum ersten Mal gewählt. Alle Bürgerinnen und Bürger dürfen Wörter vorschlagen.
  • vorschlagen (schlägst, schlägt), vorschlug, vorgeschlagen: to suggest
Die Vorschläge kommen aus allen Bereichen: aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und den Medien. Für das Jahr 2009 waren 2018 Vorschläge für das "Unwort des Jahres" gemacht worden.
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